other.worldly

15. februar 2020 bis züm 3. januar 2021
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Künstler aus dem In- und Ausland im Fries Museum eine Unterwasserwelt aus. Seit Jahrhundert fühlt sich der Mensch zum Meer hingezogen und es ruft ein einzigartiges Gefühl der Zeitlosigkeit und Verbundenheit hervor. Aber obwohl sie eine sanfte und farbenfrohe Muse sein kann, besitzt die Unterwasserwelt auch einen kalten Unterstrom. Ihre Tiefe beherbergt ertrunkene Geflüchtete und Umweltverschmutzung, aber auch Schönheit und mysteriöse Wesen. In Other.Worldly versuchen rund zwanzig Künstler und Künstlerinnen die Unterwasserwelt zu ergründen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Werk Osedax des Künstlerpaares Edgar Cleijne (Niederlande 1963) und Ellen Gallagher (USA 1965). In diesem Schlüsselwerk, das erstmals in den Niederlanden zu sehen ist, machen Besucher eine hypnotisierende Reise entlang einer Bohrinsel, bezaubernder Meerestiere und schwingender Pflanzen. Die Ausstellung Other.Worldly ist seit dem 15. Februar 2020 bis zum 3. Januar 2021 im Fries Museum in Leeuwarden zu sehen.

toeschouwers bij afbeelding

In ihrer ersten Ausstellung für das Fries Museum hat Kuratorin Hanne Hagenaars eine Auswahl von Werken getroffen, die die Unterwasserwelt in all ihren Facetten zeigt. Die Kunstwerke in Other.Worldly bilden ein Netzwerk von Beziehungen, die die heutige Welt spiegeln. Wie verhält sich der Mensch zum Ozean und wie gehen wir mit seinem verletzlichen Ökosystem um? Denn jetzt, wo die lange verborgenen Geheimnisse ans Licht kommen, ist die Unterwasserwelt selbst in Gefahr. Es gibt Arbeiten von Charles Avery, Paul Beumer, Carina Brandes, Broomberg & Chanarin, Ricardo Brey, Edgar Cleijne & Ellen Gallagher, Dorothy Cross, Elspeth Diederix, Dodi Espinosa, Benedikt Fischer, Matthew Angelo Harrison, Bram De Jonghe, Kinke Kooi, Mire Lee, Erin Jane Nelson, Femmy Otten, Jean Painlevé, Jessica Segall, Studio Glithero, Philip Taaffe, Evelyn Taocheng Wang und Robbert Weide.

man met hoofd in tentoonstelling
vrouw met tegenlicht

bird in hand
Speziell für diese Ausstellung reist Bird in Hand (2006) von Ellen Gallagher aus der Tate Modern in London nach Friesland. Die riesige Zeichnung ist eines der Topstücke der Ausstellung und zeigt eine Person, die von Käpten Ahab aus dem Roman Moby-Dick inspiriert ist. Die einbeinige Hauptperson dieser großen Zeichnung verweist auch auf die zu Sklaven gemachten Bewohner der Kapverden, die während ihrer Überfahrt nach Amerika ertrunken waren. Wegen seiner Empfindlichkeit ist das Werk nur bis zum 2. August zu sehen.

Das Meer, das alles zudeckt
Bereits vor dem Eingang zur Ausstellung fordert das Künstlerduo Broomberg & Chanarin mit dem Film Angels of Bureaucracy Aufmerksamkeit für das tragische Schicksal der vielen Bootsflüchtlinge. Die Schaufeln eines sizilianischen Greifers zermalmen die kleinen Boote, mit denen zahllose Geflüchtete aus Nordafrika die Überfahrt nach Europa wagten. Wie eine traditionelle Cantastoria, oder „singende Erzählerin“, besingt der Greifer ihr tragisches Schicksal – vor dem schweigenden Dekor des Wassers des Mittelmeers, das die Toten wie mit kalter Decke zudeckt. Auch die Arbeit von Matthew Angelo Harrison (USA 1989) schließt auf assoziative Weise bei dieser Thematik an. Seine Skulpturen lassen an die Überreste einer verschwundenen Gesellschaft denken, aber ihre wahre Herkunft bleibt unklar. Harrison erwarb sie auf eBay, wo sie als anonyme modische Homedecoration verkauft wurden. Harrison dekorierte sie mit technischen Mustern aus der Ford-Fabrik in Detroit, wo er lange arbeitete. Es ist ein Verweis auf den Verlust der kulturellen Identität durch die koloniale Herrschaft und die großen Folgen der Ereignisse der Vergangenheit.

underground

Verbindung

In der Geburt der Venus gibt Kinke Kooi (Niederlande 1961) ihre Vision von Schönheit wieder. Anstelle einer klassischen Venus, die aus dem Wasser aufsteigt, zeichnet sie runde Po-artige Formen, die eine Unmenge kleiner Gegenstände an die Seite schieben. „Das Wasser und die Erde lassen alles zu, sie sind eigentlich sehr gastfreundlich“, behauptet Kooi. Ihrer Aussage nach geht es in ihrem Werk um Empfangen, Offenheit und Verbundenheit. Es sind Eigenschaften, die auch sehr notwendig sind beim Auffangen des Migrantenstromes. In El Extasis von Dodi Espinosa (Mexiko 1985) taucht ein Mann mit voller Hingabe in die tiefste Tiefe der Erde, während er mit einer Hand seinen Bauch öffnet. Diese Gebärde symbolisiert für Espinosa de Suche nach einem universellen, menschlichen Kern. Im Grunde sind wir alle gleich, meint er.

Geboorte van Venus

Entfremdung

Eine andere Linie in der Ausstellung ist die Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt. Das zerstörte Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist einer der Gründe, dass die Natur so unter Druck steht, sagt Segall (USA 1978). Im Film Uncommon Intimacy schwimmt sie mit Krokodilen und Tigern in einem amerikanischen Privat-Naturreservat. Mit ihrem Film verweist sie auf die Allmacht des Menschen und unsere zerstörte Beziehung zur Natur. „Unser spirituelles Verhältnis zur Umwelt ist ausgetauscht  mit einem industriellen“, sagt Ricardo Brey (Kuba 1955). Nach einer Abwesenheit von 20 Jahren kehrte er 2014 in sein Heimatland Kuba zurück. Dort erlebte er, wie die Kubaner ihr traditionelles, emotionales Band mit der Natur verlieren. Jahrhundertealte Bäume werden nicht länger als Quelle der Weisheit, der Heilung oder als Schattenspender angesehen, sondern massenhaft für Brennholz gefällt. Das verursacht Erosion, die durch das Ansteigen des Meeresspiegels eine ernsthafte Bedrohung für die Insel bedeutet.

Ozeanisches Gefühl

In Osedax von Edgar Cleijne und Ellen Gallagher – ein geplanter Ankauf des Fries Museums – spielt das ozeanische Gefühl eine wiederkehrende Rolle: ein Gefühl „untrennbarer Verbundenheit, Zusammengehörigkeit mit der Außenwelt im allgemeinen“. Ein Gefühl besonderer Verbundenheit. In Seaspoon scheint Femmy Otten (Nederland 1981) das Verlangen nach der Unendlichkeit der See in der Höhlung eines Löffels einzufangen. Auch die Meergemälde von Otten stellen Freuds „ozeanisches Gefühl“ dar. In ihren gemalten Zeichnungen gehen das Meer und der Himmel unmerklich ineinander über. Manchmal lässt sie die leere Ausdehnung dominieren, manchmal setzt sie beispielsweise einen fliegenden Teppich mit Tulpen hinein.

Die Ausstellung Other.Worldly wurde unter anderem ermöglicht von Het Nieuwe Stadsweeshuis und von den Vrienden van het Fries Museum.

Das Fries Museum wird mitfinanziert von der Ir. Abe Bonnema-Stiftung, der Provincie Fryslân, dem Kooperationsverbund Noord-Nederland, EZ/Kompas und der BankGiro Loterij.

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