freiheit, fehden, fegefeuer

Die Welt des Mittelalters
Vom 10 September 2022
freiheit, fehden, fegefeuer

freiheit, fehden, fegefeuer

die untergegangene welt des mittelalters im norden zum leben wiedererweckt

Vom 10. September 2022 bis zum 7. Mai 2023 präsentiert das Fries Museum Freiheit, Fehden, Fegefeuer: Das Mittelalter im Norden. Die Ausstellung zeigt neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gesellschaft des Nordens im Hoch- und Spätmittelalter. Das damalige Friesland (Tota Frisia) erstreckte sich von der heutigen niederländischen Provinz Friesland bis zur Weser in Ostfriesland, Deutschland. Anders als im übrigen Europa regierten sich die Friesen selbst, wählten ihre eigenen Richter, hatten ihre eigene Sprache und ihren eigenen Kleidungsstil. Anhand der reichen archäologischen Sammlung mittelalterlicher Objekte des Fries Museums, ergänzt durch (inter)nationale Leihgaben, wird die eigenwillige, untergegangene Welt Frieslands zwischen 1067-1567 lebendig.

Frauen mit glänzenden Juwelen geschmückt, Krieger mit Stangenspeeren und kahlgeschorenem Haar. Gewalttätige Fehden zwischen Clans. Eine Landschaft, in der eine außergewöhnliche Anzahl von Burgen, Kirchen und Klöstern den Horizont beherrschte. Dabei handelt es sich nicht um die Fantasiewelt eines brandneuen Computerspiels, sondern um eine Darstellung Frieslands im Hoch- und Spätmittelalter, die auf neuesten Forschungen beruht.
In Tota Frisia waren die Dinge anders als anderswo in Europa. Das lag daran, dass die friesischen Gebiete nie eine zentrale Regierungsform erhielten. Die Friesen wurden nicht von einem Grafen oder Herzog regiert, sondern regierten sich selbst, was als der Kern der "friesischen Freiheit" angesehen wird. Diese besondere politische Situation wirkte sich auf alles aus: von der Rechtsprechung und Verwaltung bis hin zur Sprache, vom Kampfstil bis hin zur Mode, wodurch die Region ihren ganz eigenen Charakter erhielt.

verschwundene welt

Das Fries Museum erweckt dieses bisher unterbelichtete Kapitel der mittelalterlichen Geschichte anhand von glänzenden Münzschätzen, glitzernden Juwelen, schönen Handschriften und jahrhundertealten Relikten zum Leben. Die Ausstellung und die begleitende Publikation wurden von Diana Spiekhout, Kuratorin für Warftenkultur und Mittelalter, zusammengestellt. Spiekhout promovierte 2020 an der Universität Groningen über die mittelalterliche Burgenlandschaft. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Entwicklung von Bischofsburgen und Adelshäusern im Verhältnis zur Landschaft und Gesellschaft in den nordöstlichen Niederlanden zwischen 1050 und 1450. Kuratorin Diana Spiekhout ist eine gefragte Expertin auf diesem Gebiet. Anfang des Jahres war sie in der NPO-Serie Het verhaal van Nederland (Geschichte der Niederlande) in der Folge Friezen en Franken (Friesen und Franken) über das frühe Mittelalter zu sehen.

In dieser Ausstellung setzt Spiekhout die Forschungen aus ihrer Dissertation fort. Das Ergebnis ist ein interdisziplinärer Ansatz, bei dem Archäologie, Landschaft, Anthropologie, Architektur und Geschichte zusammengebracht werden, um die verschwundene Welt des alten Frieslands so genau wie möglich zu rekonstruieren. Die Ausstellung geht auf Fragen wie diese ein: Wie sahen die Gesellschaft und die Landschaft im mittelalterlichen Friesland aus? Was sagt uns das über die Sitten und Gebräuche seiner Bewohner? Inwieweit stimmt das allgemein herrschende Bild des Mittelalters?

Familienausstellung
Nicht nur Geschichtsinteressierte kommen hier auf ihre Kosten, sondern Freiheit, Fehden und Fegefeuer ist auch ein idealer Ausflug für die ganze Familie. Mit einer Schatzkarte können Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren die Ausstellung selbstständig erkunden. Hinter Türen, in Schubladen und an anderen "versteckten" Orten entdecken sie auf ihre Weise die untergegangene Welt des Mittelalters: Wie schwer ist ein Kettenhemd? Wie lernten die Mönche das Schreiben? Und warum hat Wybe van Grovestins (Skerne Wiebe) seinen halben Kopf rasiert? Zum Schluss können sie mit einer echten friesischen Münzfibel nach Hause gehen.

lebensgroßes katapult

In Zusammenarbeit mit dem ROC Friese Poort in Sneek rekonstruiert das Fries Museum minutiös ein riesiges mittelalterliches Katapult, eine Blide. In der Ecke des ersten großen Saals überragt es die Besucher, nicht nur als Blickfang, der die Geschichte auf besondere Weise illustriert, sondern auch, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, der Vergangenheit noch näher zu kommen.
Ein vergleichbares Ergebnis eines solchen Kooperationsprojekts ist ein lebensgroßes Wikingerschiff, das auf Zeichnungen dänischer Schiffsarchäologen basiert und in der Ausstellung Wir Wikinger zu sehen war.

gestaltung

In der Ausstellung Freiheit, Fehden, Fegefeuer wird der Besucher interdisziplinär durch sechs Räume in Hoch- und Spätmittelalter geführt. Das Ausstellungskonzept und -design wurde von Studio Louter und Opera Amsterdam entwickelt. Ulco Glimmerveen wird auch einen 3D-Eindruck von der mittelalterlichen Landschaft der friesischen Stadt Rinsumageest vermitteln. In Rinsumageest lebte einer der wenigen mittelalterlichen Friesen, dessen Aussehen wir kennen: der junge Edelmann Eppo, dessen Gesicht auf seinem Grabstein abgebildet ist.

mittelalterliches bier

Die Brauerei Grutte Pier stellt ein passendes Bier für die Ausstellung her. Das Bier wird nicht aus Hopfen, sondern mit Gagel/Grut gebraut. Gagel war eine Zutat des "Grut", die im Mittelalter verwendet wurde, um Bier zu aromatisieren und es gleichzeitig bitterer und haltbarer zu machen. Neben seiner mittelalterlichen Brauart verweist das Bier auch auf eine Geschichte aus der Ausstellung: Skerne Wiebe, wahrscheinlich einer der letzten freien Friesen mit der traditionellen friesischen Scheerfrisur aus dem Mittelalter.

Damit knüpft das Museum an die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Brauerei Grutte Pier an, die passend zur Wikingerausstellung 2019 ein Bier gebraut hat. Dieses Bier wurde sogar von dem Getränkehändler Mitra zum Bier des Jahres 2020 gekürt.

Publikation

Die Ausstellung wird von einer reich bebilderten Publikation begleitet, in der die faszinierende Welt des mittelalterlichen Frieslands auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse rekonstruiert wird. Mit Beiträgen von: Rolf H. Bremmer Jr, Casper J. van Dijk, Egge Knol, Grytsje Klijnstra, Sonja König, Stefan Krabath, Bert Looper, Anneke B. Mulder-Bakker, Han Nijdam, Jeroen Punt, Antje Sander, Mans Schepers, Theo Spek, Diana Spiekhout und Marvin Wiegand.

Vrijheid, Vetes, Vagevuur. De middeleeuwen in het Noorden wird in Zusammenarbeit mit Noordboek | HL Books herausgegeben und kostet € 29,90.

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