wir vikinger ab dem.19 oktober

Ab dem 19. Oktober 2019 bis zum 15. März 2020 präsentiert das Fries Museum in Leeuwarden die Ausstellung Wir Wikinger. An Hand archäologischer Schätze entdeckt der Besucher, dass „Wikinger“ kein Volk waren, sondern ein Lebensstil. Dieser Lebensstil umfasste mehr als nur die berüchtigten Plünderungen. Die Wikinger waren nämlich auch sehr versierte Händler mit einem weitreichenden Netzwerk, wovon auch die niederländischen Küstenbewohner profitierten. Es passierte sogar, dass Niederländer sich den Wikingern anschlossen und an ihren Raubzügen teilnahmen. In Wir Wikinger erzählen mehr als 500 Objekte aus dem In- und Ausland von der komplexen Beziehung der niederländischen Küstenbewohner zu den Wikingern.

Im frühen Mittelalter ist die Nordsee die Schnellstraße Nordeuropas. Durch den zunehmenden Handel sind die Menschen stark auf das Wasser ausgerichtet. Das umfangreiche maritime Handelsnetz liegt weitgehend in den Händen der Skandinavier. Mit ihren Schiffen segeln sie über Meere und Flüsse bis nach Bagdad. Archäologische Funde wie ein Narwalzahn aus Grönland, Dirhams aus Arabien und Bernstein aus dem Baltikum veranschaulichen das Ausmaß dieser Handelsbeziehungen.

nordseekultur

Schon vor der Wikingerzeit (793 – 1066) ist die Rede von engem Kontakt zwischen den Völkern rund um die Nordsee. In Häfen und Handelsplätzen werden Sprachen, Traditionen und Überzeugungen ausgetauscht. Diese vermischen sich zu einer „Nordseekultur“, die die Nordmannen miteinander verbindet. Auch werden in Frisia (Friesland) heidnische Götter verehrt. So wurden im niederländischen Küstengebiet Schmuckstücke mit Bildnissen des norwegischen Obergottes Odin gefunden. Friesia nahm in jener Zeit das gesamte Küstengebiet von Flandern bis nach Norddeutschland ein. Und obwohl die Einwohner Friesias enge Verbindungen zu den Wikingern hatten, hatte das Gebiet im 9. Jahrhundert nach Christus auch unter den Wikingerraubzügen zu leiden.

plünderungen

Der erste Angriff fand 810 n. Chr. statt. Der Überlieferung zufolge fiel ein Heer von gut 200 Schiffen die friesischen Inseln an. Danach wurde auch das Festland angegriffen. Erst nach Zahlung von 100 Pfund Silber zogen die Wikinger wieder ab. Frisia sollte in den folgenden Jahren noch viele Male angegriffen werden. In der Ausstellung sind sowohl Waffen der Wikinger als auch ein Opfer ihrer Einfälle zu sehen. Das in Zutphen gefundene Skelett eines Wikinger-Opfers, bei dem deutlich Spuren der Gewalt sichtbar sind, gibt dem Besucher einen einzigartigen Einblick in die Grausamkeit ihrer Überfälle.

anschluss

Manche Einwohner Frisias schlossen sich den Wikingern an und nahmen an ihren Raubzügen teil. Dies wurde ihnen nicht gedankt. Nach dem Gesetz war jemand, der sich den Wikingern angeschlossen hatte, nie wieder in Frisia willkommen, es sei denn, es war unter Zwang geschehen. Im schwedischen Handelsplatz Birka hat man ein Grab gefunden mit den Überresten einer Frau mit Waffen. Dies kann darauf hindeuten, dass sich auch Frauen bei den Wikingern anschließen konnten.

christentum

Die Anwesenheit von Wikingern hatte auch Auswirkungen auf die Ausbreitung des Christentums in Frisia. Jüngste wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass es eine lange Übergangsperiode gab, in der der heidnische Glaube allmählich Platz machte für das Christentum. Gerade durch die vielen Wikingerüberfälle im 9. Jahrhundert wurde der Christianisierungsprozess ernsthaft gestört. Die Wikinger plünderten die eben gestifteten Kirchen, wodurch es schwierig wurde, eine christliche Infrastruktur aufzubauen. Manche Bewohner fielen dann wieder auf ihren alten Glauben zurück. Erst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gelang es dem Bischof von Utrecht endgültig sich in Frisia zu etablieren.

verschmelzung

Der langsame Übergang zum Christentum wird in der Ausstellung durch eine einzigartige Perlenkette mit einem Kruzifix aus einem friesischen Grab des 9. Jahrhunderts illustriert. Im Christentum sind Grabbeigaben verboten, wohingegen sie gerade ein vielfältig vorkommender heidnischer Brauch sind. Gleichzeitig deutet das Kruzifix auf einen christlichen Einfluss hin. Ein besonderes Meisterwerk ist ein reich verziertes Trinkhorn aus dem 10. Jahrhundert. Das Rinderhorn ist mit skandinavischen Darstellungen verziert. Später wurde ein Deckel aufgesetzt und das Horn als Reliquienbehälter in der Liebfrauen-Kirche in Maastricht verwendet.

wikingerschiff

Speziell für Wir Wikinger bauen Studenten der Sparten Bau & Infra und Maritim-Technik der ROC Friese Poort (Regionales Bildungszentrum Friese Poort) eine Replik des um 1030 n. Chr. gebauten Kriegsschiffes Skuldelev V. Das Fries Museum hat die Konstruktionszeichnungen für dieses Schiff vom Vikingeskib Museet im dänischen Roskilde erworben, wo sich die Überreste dieses Schiffes befinden. Zehn Studenten arbeiteten insgesamt zehn Monate an der Replik des 15 Meter langen Fahrzeugs, das in seiner Gesamtheit in der Ausstellung zu sehen sein wird.

leihgaben

Insgesamt werden fast 100 Leihgaben aus unter anderem dem British Museum, dem Gotlands Museum, dem Tromsø Universitätsmuseum, dem Lunds Universitets Historiska Museet, dem National Museum of Ireland, dem Rijksmuseum van Oudheden und verschiedenen Privatsammlungen nach Leeuwarden kommen, um die Beziehung zwischen den Wikingern und den Küstenbewohnern der Niederlande zu veranschaulichen.

kinderlinie

Für Kinder von 8 bis 12 Jahren wurde eine besondere Route durch die Ausstellung entwickelt. Kinder werden dabei herausgefordert, ihren entführten Bruder wiederzufinden. An Hand von Geschichten, Aufgaben und Gegenständen entdecken die Kinder, was es heißt, im Friesland von damals ein Wikinger gewesen zu sein. Während ihrer Reise lernen sie zu kämpfen mit Schwert und Beil, machen sich auf die Suche nach prächtigen Schätzen und stehen plötzlich Aug in Aug mit echten Wikingern.

gestaltung

Die Ausstellung Wir Wikinger nimmt den Besucher durch sechs Säle in die Wikingerzeit mit. So wird das Frisia des frühen Mittelalters entdeckt und ein Einblick in die komplexen Beziehungen mit den Wikingern vermittelt. Das Ausstellungskonzept und der Entwurf wurden von Studio Louter und Opera Amsterdam entwickelt.

publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, in der neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Wikinger in den Niederlanden präsentiert werden. Wij Vikingen: Friezen en Vikingen in het kustgebied van de Lage Landen wird vom Verlag Waanders Uitgeverij Zwolle herausgegeben und erscheint auf Niederländisch sowie Englisch und kostet € 24,95.

Die Ausstellung Wir Wikinger wird unter anderem ermöglicht durch den Mondriaan Fonds, LF2028, Gemeente Leeuwarden, Prins Bernhard Cultuurfonds, Stiftung Het Nieuwe Stads Weeshuis, Stiftung St. Anthony Gasthuis, Vaderlandsch Fonds, Meindersma-Sybenga-Stiftung, Leeuwarder Unternehmerfonds, Stiftung Siebolt Foundation, Directie der Oostersche Handel en Reederijen, Boelstra Olivier-Stiftung, Stiftung Herbert Duintjer Fonds und durch die Freunde des Fries Museums.

Das Fries Museum wird mitfinanziert durch die Ir. Abe Bonnema-Stiftung, die Provinz Fryslân, den Verband für Zusammenarbeit Noord-Nederland, EZ/Kompas, die BankGiro Loterij und Aegon.