eric van hove 2 februar 2019 zu 5 januar 2020

Glänzendes Holz, blinkendes Kupfer, geschliffenes Perlmutt. Materialien aus der ganzen Welt kommen zusammen in den handwerklich produzierten Motorblöcken von Éric van Hove (Algerien 1975). Von den kleinsten Schräubchen bis zum Zylinderkopf: jedes Teil wird mit der Hand nachgemacht von internationalen Handwerkern unter der Leitung von Van Hove. Ab dem 2. Februar zeigt die große Übersichtsausstellung Éric Van Hove: Fenduq, was Menschenhände schaffen können.  Zugleich regt das Werk des belgischen Künstlers zum Nachdenken über globale Fragen an.

Der Motorblock ist für den Künstler ein Symbol der Industrialisierung, die in vielen Ländern das Ende des klassischen Handwerks bedeutete. Fließbandarbeit anstelle von Handwerk. Mit seinen imposanten Replikaten bringt Van Hove traditionelle Handwerke wieder zum Leben. Er kombiniert die Schönheit des Designs mit aktuellen Themen wie die Verteilung des Wohlstands und die Unterschiede zwischen dem Westen und dem Rest der Welt.

the D9T

d9t

Hauptwerk der Ausstellung ist D9T (Tribute to Rachel), ein Werk, das auf dem Motorblock eine Caterpillar D9-Bulldozers basiert. Der Bulldozer wurde entwickelt, um die Infrastruktur in den Entwicklungsländern zu verbessern, aber wurde vor allem als Militärfahrzeug bekannt. Seit dem Vietnamkrieg setzten Regime den D9 ein, um Aufstände niederzuschlagen und Barrikaden zu brechen. Dadurch ist der Bulldozer Symbol für Unterdrückung anstelle von Aufbau geworden. Die Reproduktion von Van Hove besteht aus 295 Teilen, die aus 46 Materialien von 41 unterschiedlichen Handwerkern gefertigt wurde. Das Kunstwerk ist hergestellt aus unter anderem graviertem Zedernholz aus dem Atlas, geschnittenem Purpurhartholz aus Brasilien, Wengeholz aus dem Kongo und Tatajubaholz aus Surinam, geschliffenem Perlmutt, geschnittenem Bein, Knochen, Keramik, Marmor, Kupfer und Zinn.

friesisches motorrad

Extra für das Fries Museum entwickelt der Künstler ein brandneues Werk. Während der Ausstellung arbeiten friesische, marokkanische, schwedische und indonesische Fachleute an der Reproduktion eines Motorrads aus einem Häcksler. Der Claas Jaguar-Feldhäcksler ist ein beliebtes landwirtschaftliches Fahrzeug auf dem friesischen Land. Der Motor wird aus marokkanischer Holzarbeit entstehen, mit Hindelooper Malerei, indonesischen Schnitzarbeiten, friesischen Silberarbeiten, schwedischem Glas und friesischem Kerbschnittholz. Im Ausstellungsraum ist der Fortschritt dieses dynamischen Projekts nachzuverfolgen. Der Motorblock, der als Basis dient, wird bereitgestellt von der Firma HAMOFA.

fenduq

Fenduq ist der Name des Ateliers van Van Hove. Der Name ist eine Kombination aus “fenn” (das arabische Wort für Kunst) und “funduq”. Funduqs waren vorübergehende Handelsposten, wo herumziehende Karawanen sich niederlassen konnten, um Handel zu treiben und ihre Netzwerke zu pflegen. Im Fenduq kommen Handwerker, Künstler, Ökonomen und andere Betroffene zusammen. Es ist ein Ort zur Produktion, aber auch für den Dialog. Fenduq verstärkt die bestehenden Talente und Qualitäten der Handwerker und bietet ihnen eine bessere Position innerhalb der marokkanischen Gesellschaft.

dorigin

Der Mercedes 240, besser bekannt unter dem Namen “Dorigin”, tut in Marokko vielfach Dienst als Taxi. Mit seiner deutschen Herkunft und dem Image von Qualität und Unverwüstlichkeit ist das Auto dort ein Statussymbol. Van Hove baute ein Auto vollständig aus Teilen vieler Exemplare des Mercedes 240 zusammen und fuhr damit in das Land seiner Herkunft – Deutschland –, wo das Auto eher als marokkanisch angesehen wurde, denn als typisch deutsches Produkt. Damit stellt das Kunstwerk Fragen über Identität und Eigentum.

éric van hove

Éric Van Hove wurde 1975 in Guelma (Algerien) geboren. Er wuchs in Kamerun als Sohn belgischer Ingenieure auf, die sich für Entwicklungshilfeprojekte einsetzten. Als er 14 Jahre alt war, kehrte seine Familie nach Belgien zurück. Nach seinem Studium an der Kunstakademie in Brüssel ging er nach Japan, wo er seinen Master und seinen Doktor erwarb. Danach wohnte er kurze Zeit in Belgien, bevor er sich dauerhaft in Marrakesch niederließ. 2014 hatte er seinen internationalen Durchbruch dank der Teilnahme an der Biennale von Marrakesch.


Die Ausstellung wird ermöglicht durch Aegon, Provincie Fryslân, BankGiro LoterijMondriaan Fonds, VSB fonds, Fonds21, HAMOFA, Stichting Het Nieuwe Stads Weeshuis, M.A.O.C. Gravin van Bylandt Stichting, Vrienden van het Fries Museum, GLASMA und Beldi Country Club.

Friesisches Motorrad Partizipanten: Titus Stallmann (Hindelooper painting), Erno Korpershoek (wood carving), Rikus Oswald (ceramics/majolica), Lies van Huet (ceramics), Sanne Bergsma und Theo van Halsema (silver and goldsmiths), Jilles und Hannes Scherjon (clog workshop), Frank Kroondijk und Rolf Doderlein De Win (3D-printing), AbedelaaIi Arib und Mustapha el Moufdi (copper/metalwork), Mohamed Ouahaddou (bone sculpture), Mehdi Ghinati und Abdelkadere ´Dragon´ Hmidouch (woodcarving), Abderrahim Boutkrout und Abdelghafour Boutkrout (woodcarving), Mustafa Jaouale (copper/metalwork), Abdeljalil Ait Boujmiâa (aluminium), Noureddine El Miraoui (finishing), Abdelatif Boulaadam (mechanic), Anders Wennerhag und Peter Kuchinke (glassblowing) und Wayan Lila (bone carving).